Mittlerweile habe ich mir einige der Beiträge hier gelesen, in denen sowohl die Neoklassik als auch der historische Materialismus der Marxisten durchaus berechtigt auseinandergenommen werden. Zusätzlich wird in der Idee des Grundeinkommens die Gefahr der Verslumung der Städte gesehen etc.. Mithin scheint man hier im Forum Systemfrage, weitgehend am axiomatischen homo oeconomicus festhalten zu wollen, "Der reale Mensch bleibt vor allem ein homo oeconomicus, unabhängig unter welchen Institutionen er lebt. Er versucht seinen eigenen Nutzen zu maximieren und die Leistung zu minimieren.", lese ich im Artikel über das Scheitern des Kommunismus. Dieses Menschenbild scheint aufgrund seiner bestechenden Einfachheit, derart populär zu sein, dass es selbst den Kritikern der Neoklassik nicht einfällt, es in Frage zu stellen. Dann aber könnte man doch gleich beim Bestehenden bleiben, denn immerhin liefert uns unser grandioses Wirtschaftssystem noch eine einigermaßen intakte Infrastruktur alle drei Monate einen neuen Mikroprozessor oder einen neuen Blackberry, und was weiß ich nicht noch alles. Wo ist überhaupt der Ansatzpunkt für die Entwicklung einer Alternative, die Systemfrage zu stellen? Wie man überdies unter jener Voraussetzung auf die Idee kommen kann, die Managerkaste zu kritisieren, ist mir schleierhaft; die Manager verhalten sich doch wie angenommen.
In dem Beitrag zum Anfang der ökonomischen Theorien wird eine Orientierung der Wirtschaftswissenschaften an den Naturwissenschaften gefordert, obwohl, wie an anderer Stelle korrekt analysiert wird, die Wirtschaftswissenschaft von heute sich am Modell der klassischen Mechanik orientiert, und es auch Versuche gab, die Schrödinger Gleichungen auf das Börsengeschehen anzuwenden. Trotz der Mangelhaftigkeit der Umsetzung kann man wohl nicht umhin, zuzugestehen, dass die Orientierung an den Naturwissenschaften seit Walras gerade das ist, was die Ökonomen in seiner Nachfolge betrieben haben. Was würde das nun, für das zu entwickelnde neue Paradigma bedeuten? Experimentelle Ökonomik? Schließlich kamen die wissenschaftlichen "Revolutionen" aufgrund von Experimenten zustande, deren empirische Daten den bis dahin gültigen Paradigmen widersprachen. Alle Gesellschaftswissenschaften haben jedoch das Manko, dass sie nicht so kleinteilig experimentieren können, wie die Naturwissenschaften, die nuneinmal die Möglichkeit haben, aufgestellte Theorien auch empirisch bspw. im Labor nachprüfen zu können, während dies mit ganzen Volkswirtschaften, etwas schwieriger zu werden, droht.
Gut, man kann die kapitalistische Produktionsweise realistischer darstellen als mit der Minimalkostenkombination durch substituierbare Produktionsfaktoren, aber was wäre damit gewonnen? Unter der Prämisse des homo oeconomicus würde dennoch der Unternehmer nach dem Gewinnmaximum streben, wobei vielleicht Monopolisierungstendenzen nicht so einfach unter den Tisch fielen, wie dies die Neoklassik vorgaukelt, denn mit wachsender Betriebsgröße lassen sich vielfach Kosten einsparen. Das aber ist doch für den unternehmerischen homo oeconomicus eine feine Sache, bedeutet es doch mehr Gewinn. Von dessen Warte aus betrachtet ändert eine realistischere Theorie der Produktion ersteinmal nichts. Allein, die homines oeconomici der Arbeitnehmerschaft müssten ihre Eigeninteressen aufgrund einer neuen Darstellung der Produktionsweise gefährdet sehen, damit dieser Aufwand überhaupt irgendwelche Einsichten zeitigt. Die neuen Einsichten in die kapitalistische Produktionsweise müssten also dazu führen, dass die Arbeitnehmer Nutzeneinbußen gegenüber einer alternativen Produktionsweise für sich sehen. Wie aber könnte eine alternative Produktionsweise unter der Prämisse des allgemeingültigen homo oeconomicus aussehen?