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Der dekadente internationale, individualistische Kapitalismus, in dem wir uns befinden, hat zu keinem Erfolg geführt. Er ist nicht klug, nicht schön, nicht gerecht und nicht sittlich - und er liefert nur unzulänglich Güter. Kurz, wir missbilligen ihn und beginnen ihn zu verachten. Aber wir sind äußerst verwirrt, wenn wir uns überlegen, was an seine Stelle gestzt werden soll.
   
  Nationale Selbstgenügsamkeit (1933): John M. Keynes      
 
      Diese Äußerung des größten Ökonomen des 20. Jahrhunderts stammt aus dem Jahre 1933. Als ob sich die Geschichte wiederholen würde! Im gewissen Sinne schon. In den letzten Jahrzehnten wurde nämlich von unseren Macht- und Wirtschaftseliten das politisch-ökonomische System der Weimarer Republik bzw. des Kapitalismus des 19. Jahrhunderts gezielt und systematisch wieder hergestellt. Auch diesmal hat das System seine Versprechungen nicht eingelöst. Und es hat die gleichen Ergebnisse vollbracht als damals. Daraus folgt, dass ein gesellschaftliches System unter ähnlichen Bedingungen auch ähnliche Ergebnisse produziert. Möchte man andere Ergebnisse, braucht man also ein anderes System.

Zu den Ergebnissen unseres neuen-alten Systems gehören vor allem ungelöste ökonomische und soziale Probleme: Ständige konjunkturelle Schwankungen (Wirtschaftkrisen), eine immer größere „Reservearmee“ von Arbeitslosen und Armen und ein ständiges Produktivitätswachstum, das nur den Reichsten zugute kommt. Marx hat dies zwar nicht selber entdeckt, jedoch hat es keiner so systematisch und ausführlich erfasst wie er. Aber noch etwas hat er fast prophetisch vorhergesagt, nämlich dass das System der uneingeschränkten Freiheit die Mittelschichten vernichtet. Darüber schweigt man am liebsten. Ist dem zufällig so?

Nein. Es geht um ein Thema, das brisant ist wie kein anderes. Den Unterschichten muss man mindestens so viel zum Leben überlassen, dass sie nicht Gesetze brechen und im Gefängnis landen, weil ihnen aus Verzweiflung nichts anderes übrig bleibt. Dieses Niveau haben wir in Deutschland durch die sozialdemokratischen „Reformen“ bereits erreicht. Folglich bleiben nur noch die Mittelschichten, die man rupfen kann. Was meinst Du Lehrer, Sozial- und Facharbeiter oder Du Ingenieur, Informatiker und Bankangestellter oder Du Arzt, Apotheker und Pfleger oder auch Du Unternehmer, Firmenbesitzer und Freiberufler ... , warum gerade Du in der letzten Zeit so schwärmerisch von den Politikern aller Blockparteien umworben wirst? Warum wirst gerade Du mit all den Komplimenten überschüttet? Weil jetzt deine Haut zu Markte getragen wird!

Es ist an der Zeit, dass Du sagst: Genug ist genug! Du warst schon immer pflichtbewusst und hast dich für vorbildliche Leistungen angestrengt. Mehr geht nicht - wenn du dir nicht selbst körperlich und psychisch schaden willst. Für diejenigen, die nie etwas geleistet haben, dir aber immer mehr Leistung abverlangen, wirst du sowieso niemals genug leisten können. Glaube also nicht mehr an all die verlogenen Prophezeiungen der „Reformer“, deine Leistung würde irgendwann schon honoriert werden, deine Zeit würde kommen, man brauche nur die Sozialsysteme hier und da noch ein bisschen mehr herunterzufahren und den Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern mehr Bescheidenheit abzuverlangen. Die Ursachen für eine sich immer mehr verschlechternde Lage liegen nicht dort, sondern im System der Weimarer Republik bzw. des liberalen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts - in der ökonomischen Doktrin des Neoliberalismus und der Globalisierung. 

 
         
 
Die Würde des Menschen ist unantastbar. ... Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. ... Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. ... Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
   
  Grundgesetz (GG): Artikel 1, 14 und 20      
 
     Vae victis - Wehe den Besiegten! Immer in der Geschichte, nachdem die Herrscher Krieg gespielt und verloren hatten, musste das Volk lange und bitter dafür büßen. Immer? Nicht immer. Bekanntlich ging es dem deutschen Volk nie so prächtig wie nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg. Und der „einfache Mann“ brauchte dafür nichts, aber auch gar nichts zu tun. Wie seltsam dies auch scheinen mag, eine Erklärung dafür ist nicht schwierig.

Die deutschen Macht- und Wirtschaftseliten, weil sie in kurzer Zeit durch ihre horrende Dummheit, Selbstherrlichkeit und Raffgier zweimal die Welt in die Katastrophe gestürzt hatten, standen unter einem großen Schock und ließen dem Volk gegenüber Milde und Großzügigkeit walten. Dazu hat nicht unwesentlich beigetragen, dass hinter der östlichen Grenze der Kommunismus auf der Lauer lag. Er hat auch den westlichen Siegermächten nicht nur den Appetit auf saftige Reparationen richtig verdorben, sondern sie veranlasst, den Feind von gestern ins Herz zu schließen und ihm, wie und wo es nur ging, unter die Arme zu greifen. Deutschland sollte zum Schaufenster für die östlichen Staaten werden. Es sollte also den längst fälligen Beweis liefern, dass man den Kapitalismus ungerecht verleumdet hat: Dieser sei eigentlich schon von seiner Natur her human, großzügig und wohlwollend.

All diese glücklichen Sterne, die fast drei Jahrzehnte lang über Deutschland leuchteten, sind erloschen. Unsere Macht- und Wirtschaftseliten haben sich schon längst von ihrer lähmenden Angst befreit und zu ihrer alt gewohnten Dummheit, Selbstherrlichkeit und Raffgier zurückgefunden. Schluss mit dem Gerede vom Wohlstand für alle! Mehr als Chancen für alle - wie beim Lotto - kann man sich heutzutage nicht mehr leisten!

Wie haben wir darauf reagiert? Wir setzten unsere Hoffnungen auf die Sozialdemokraten. Es ist bekannt, wie es uns ergangen ist: Wie „Hans im Glück“ im Märchen der Brüder Grimm. Wir müssen uns also damit abfinden, dass wir noch nichts erreicht haben, wenn wir uns einige Minuten Zeit für die Wahlkabinen nehmen. Ob auf diesem (kleinen) Stück der Erde ein würdiges Leben für uns und unsere Kinder möglich sein wird, hängt davon ab, was wir alle dafür tun bzw. nicht tun werden. Wie weitsichtig waren also die Väter des Grundgesetzes, als sie es damals nicht unseren so genannten Eliten und Volksvertretern überließen, alleine für das Wohlergehen aller zu sorgen. Als ob sie geahnt hätten, dass es nicht lange dauern wird, bis diese zum wiederholten Mal zum Verhängnis für Deutschland werden würden.

 
         
 
Die Methoden, die unsere Probleme hervorgerufen haben, sind ungeeignet, sie überwinden zu können.
   
  Das Jahrhundert-Genie Albert Einstein      
 
      Sind unsere Sozial- und Wirtschaftsexperten, die uns tagein tagaus einreden, sie würden nur das Beste für uns wollen, einfach nur naiv? Merken sie eigentlich nicht, was sie uns antun? Schwer zu glauben. Eine nicht unwesentliche Zahl von ihnen produziert ganz bestimmt bewusst Täuschungen und Fallstricke, zum Zweck der Durchsetzung der egoistischen Interessen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen. Solch eine geistige Prostitution ist natürlich nichts Neues. Wir wissen, dass es schon im antiken Griechenland so genante Sophisten gegeben hat, die als Lehre und Wissen das angeboten haben, was von zahlungskräftigen Kunden nachgefragt wurde. Da stellt sich die Frage, ob dann unsere Aufgabe alleine darin bestünde, sich für die richtige Wissenschaft einzusetzen?

Schön wäre es. Schauen wir uns die Sozial- und Wirtschaftwissenschaften jedoch genau an, so stoßen wir auf einen Haufen von Denkfehlern und Theorieversagen. Dass man diese Wissenschaften nicht als exakt bezeichnet, hat also einen plausiblen Grund: Sie sind nicht exakt. Dass dies etwa für alle sozialistischen und kommunistischen Theorien sowie die Theorie des „neuen“ sozialdemokratischen Dritten Weges gilt, lässt sich schnell herausfinden. Ihnen fehlt es sogar an authentischen Grundlagen, so dass sie nicht „nachgebessert“ und „weiterentwickelt“ werden können. Genauso wenig wissenschaftlich fundiert ist aber auch die neoliberale Theorie, die uns in die heutige verfahrene Lage geführt hat. Was können wir nun tun?

Von den exakten, also den Naturwissenschaften lernen! Sie haben in wenigen Jahrhunderten die mehrere Jahrtausende alten Geisteswissenschaften nicht nur eingeholt, sondern weit hinter sich gelassen. Das ist ihnen deshalb gelungen, weil sie immer wieder ihre Grundlagen erneuert haben. Ihnen fehlte nie der Mut, das Alte einfach über den Haufen zu werfen und ganz von Vorne anzufangen. Ihr Erfolg ist also ein handfester Beweis dafür, dass es immer möglich ist, eine neue Alternative, heute sagt man Paradigma, zu finden. Natürlich war dies nie einfach. Man musste immer wieder bittere Rückschläge hinnehmen. Auch damit müssen wir rechnen. Trotzdem ist die einzige Alternative, die wir real haben, ein neues Paradigma zu wagen.

 
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