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  Der Markt ist kein Mechanismus, da der Mensch kein Kräftebündel ist
  Der strategisch handelnde Mensch - das Aus für die brave Welt der Egoisten
       
 
Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.
 
    Der größte Ökonom des 20. Jahrhunderts  John M. Keynes    
       
 
Dass rücksichtsloser Egoismus in moralischer Hinsicht falsch ist, wussten wir schon; jetzt wissen wir, dass er auch in wirtschaftlicher Hinsicht falsch ist.
 
    Franklin D. Roosevelt, der amerikanische Präsident während der großen Depression     

Zu den Verdiensten der Spieltheorie zählt vor allem die Erkenntnis bzw. der Beweis, dass bei den „nichtkooperativen Spielen“ das Ergebnis nicht immer optimal ist. Man spricht dann von Trittbrettfahrern („free riders“) und von Spielen mit negativer Summe. Es gibt mehrere illustrative Beispiele für solche strategische Spiele. Mit einem Doppelklick auf mehr über eines der bekanntesten. In diesem Beispiel der Spieltheorie wählen die Spieler Strategien, die zu suboptimalen Ergebnissen führen, weil sie sich nicht absprechen können und weil einer dem anderen nicht vertraut. Solche Situationen kommen in der Realität nicht selten vor und auf dem anonymen Markt sind sie die Normalität. Aber nicht nur mangelnde Informationen und mangelndes Vertrauen führen zu dem nicht optimalen strategischen Verhalten bzw. zur „negativen Summe“, sondern auch die niedrige Moral der Spieler. Unser nächstes Beispiel sollte für strategische Analysen solcher Art gut geeignet sein.

Ein Vater überlässt in seinem Testament seinen zwei Söhnen 100 Tsd. €. Das Geld sollten die Söhne aber nur dann erben, wenn sie sich darauf einigen, wie sie die Summe untereinander aufteilen. Andernfalls sollte die ganze Summe an eine wohltätige Organisation überwiesen werden. Der Vater meinte es nur gut mit seinen Söhnen: Auf diese Weise wollte er sie sozusagen auf gegenseitige Rücksichtsnahme und Zusammenhalt trimmen. Wie werden sich die Söhne einigen?

Die Ausgangssituationen der Söhne waren aber sehr unterschiedlich. Einer stand materiell und finanziell gut da, der andere war mit 20 Tsd. € verschuldet. Sollte er diese Schuld nicht in kurzer Zeit begleichen, würden die Folgen gravierend sein, so dass er sehr auf eine Einigung pochte. Der wohlhabende Bruder wusste darüber Bescheid. Schließlich konnte er für sich von dem Erbe 75 Tsd. € aushandeln. Er meinte sogar, er sei eigentlich derjenige, der moralisch einwandfrei gehandelt hätte. Der wahre Egoist sei sein Bruder, weil der nämlich auf eine Einigung hingedrängt habe, wohl wissend, dass des Vaters Geld bei der wohltätigen Organisation denen zugute käme, die es viel nötiger hätten als er. Nun hatte der wohlhabende Bruder die Möglichkeit von seinen 75 Tsd. € einen beträchtigen Anteil für die Notdürftigen abzuzweigen, hat dies aber nicht getan. Auch dafür hatte er eine gute Erklärung. Warum sollte er dies tun, wenn sein Bruder nicht dasselbe tun würde. Dies wäre in seinen Augen sehr ungerecht.

Dieses Beispiel kann als Muster der Erpressung einer sozialen Gruppe oder Klasse durch andere dienen. Zugleich bringt das Beispiel den Zynismus zum Ausdruck, mit dem sich Erpressung rechtfertigen lässt und macht damit zugleich deutlich, wie schwammig und dehnbar der Begriff Gerechtigkeit ist. Die Globalisierung ist eine solche Erpressungsstrategie der westlichen Machteliten in den letzten Jahrzehnten. Schauen wir uns nun an, wie sich das strategische Muster des obigen Beispiels auf sie anwenden lässt.

Die Globalisierung war von Anfang an eine politische Entscheidung der westlichen Machteliten, also der Kapital- und Geldbesitzer. Warum haben sich die westlichen Wirtschafts- und Machteliten für diese Strategie entschieden und warum gerade vor etwa drei Jahrzehnten? Der historische Kontext hilft uns, dies zu verstehen. Die Privilegierten in den westlichen Ländern konnten mit der sozialen Marktwirtschaft in den Jahrzehnten nach der Großen Depression und dem Zweiten Weltkrieg nicht zufrieden sein. Sie mussten sich nämlich vor dem Kommunismus fürchten und waren deshalb gezwungen, der Arbeiterschaft manche Rechte zu gewähren und anständige Löhne zu zahlen. Nachdem das Versagen des Kommunismus sichtbar war, und erst recht nachdem er auf einmal zusammengebrochen ist, gab es jedoch keinen Grund für sie, sich als Gutmenschen darzustellen. Und sie ließen ihre Maske fallen.

Mit rein politischen Mitteln wäre ein Rollback zum Raubtierkapitalismus des 19. Jahrhunderts nicht so einfach realisierbar. Die Demokratie hat sich nämlich in den westlichen Staaten richtig gefestigt und die Gewerkschaften sind erstarkt. Gegen eine offene politische Konterrevolution sprach auch das gründlich misslungene Experiment der deutschen Wirtschafts- und Machteliten mit dem Faschismus und Hitler. Was tun? Anstatt für eine politische, entschlossen sich die „postmodernen“ und „posthistorischen“ westlichen Machteliten für eine ökonomische Strategie, die man später Globalisierung nennt. Es handelte sich aber um eine Strategie, die alles andere als neu war. Sie ist so alt wie der Kapitalismus selbst, und ihr ursprünglicher Name ist „Freihandel“. Die Globalisierung musste man sich also nicht einmal ausdenken, sondern das Konzept aus der Schublade ziehen, abstauben und anwenden.

An dieser Stelle wollen wir nicht ins Detail gehen. Es reicht zu sagen, dass die Globalisierung eine Strategie der Erpressung ist, die sehr einfach funktioniert. Man öffnet die Grenzen und sagt den Arbeitern: Wenn ihr nicht für weniger Geld arbeiten wollt, produziere ich im Ausland. Das ist das eigentliche Prinzip der Globalisierung, das mit dem Motiv ihrer Verfechter gleichzusetzen ist. Lässt sich aber diese perfide und kriminelle Strategie der Erpressung der eigenen Bevölkerung und der Umverteilung von unten nach oben moralisch rechtfertigen? Aber natürlich! Nichts leichter als das. Die Moral war bekanntlich schon immer die vornehmste Hure der Weltgeschichte. Man kann die Kapitalabwanderung (outsourcing) als ökonomische Hilfe für die Ärmsten der Welt hochstilisieren. Und schon sind nicht diejenigen unmoralisch, die die Globalisierung vorantreiben und sich dabei dumm und dämlich bereichern, sondern unmoralisch sind gerade die ins Hintertreffen geratenen Arbeiter der westlichen Staaten, die sich zieren, ihre unterbezahlte Arbeit mit den noch viel ärmeren Tagelöhnern der Entwicklungsländer zu teilen. Man ist ja empört über den Egoismus und die mangelnde Solidarität, aber nicht derjenigen, die ihre exorbitanten Profite nicht teilen wollen, sondern derjenigen, die immer schlechter bezahlte und knapp gewordene Arbeitsplätze beklagen. Das Vermögen und die Profite zu teilen, das wird heutzutage als verrückt, überholt und darüber hinaus als Zeichen schlechter Erziehung gewertet.

Als wir über die Globalisierung gesprochen haben dorthin wurde schon erwähnt, dass sie mit verschiedenen Argumenten befürwortet und gerechtfertigt wird. Die wichtigsten sind die ökonomischen Argumente, mit denen bewiesen werden soll, dass der Freihandel durch Arbeitsteilung die Produktivität wesentlich erhöht. Den immer noch besten Beweis dafür lieferte schon David Ricardo vor fast zwei Jahrhunderten (1817) mit seiner berühmten Theorie der komparativen Vorteile. Diesen Beweis, dass der internationale Handel immer und für alle nur Vorteile bringt (Win-Win-Situation), hat Ricardo in der Form eines zahlenmäßigen Beispiels vorgelegt, mit portugiesischem Wein und englischen Textilien. Wir haben bereits angemerkt, dass sein Beispiel, rein mathematisch betrachtet, völlig in Ordnung ist. Das Problem liegt aber darin, dass dies allein noch nicht ausreicht. Was mathematisch richtig ist, kann ökonomisch falsch sein. Deshalb haben wir vorerst das Ricardosche Beispiel für komparative Vorteile nur erwähnt, aber es nicht näher erläutert. Das holen wir jetzt nach.

Wir wollen aber die Frage der komparativen Vorteile nicht mit dem portugiesischen Wein und den englischen Textilien klären, sondern mit einem besseren Beispiel, das mehr strategische Kombinationen bietet. Uns geht es nämlich jetzt nicht nur um die Globalisierung allein, sondern vor allem darum, zu zeigen, dass der Freihandel bzw. freie Konkurrenz keine Ordnung ist, bei welcher der Egoismus automatisch zum Gemeinwohl führt. Das Beispiel sollte zugleich nicht komplizierter sein. Ich glaube, das ist es nicht. Womöglich ist es noch einfacher als das berühmte Beispiel von Ricardo, aber es ist nach gleichem Muster gestrickt.

Geschwister-Dilemma: Eine Qual der Wahl zwischen dem Gemeinnutz und dem Egoismus

Die Hauptakteure in unserem strategischen Beispiel sind ein Bruder und eine Schwester. Die Geschichte beginnt, als die Mutter auf einen unheimlichen Gedanken kam. Ihrer Tochter würde es nur gut tun, wenn sie weniger ins Handy quatsche - so ihre Überlegung - und der Sohn sollte sowieso nicht ständig am PC unsinnige Spiele spielen. Die beiden seien alt genug, um ihre Zimmer einmal pro Woche selber zu saugen und zu putzen. So rief sie die Tochter und den Sohn zu sich und teilte ihnen dies mit. Die zwei waren entsetzt und tischten gleich etliche einleuchtende und überzeugende Argumente auf, wie ungerecht und abwegig dies wäre, warum dies gar nicht ginge und noch einiges. Vergeblich. Die Mutter war uneinsichtig und unerbittlich und ließ sich nicht überreden. Nun machen sich die Geschwister traurig und beleidigt an die Arbeit. Nach dem ersten Versuch sah ihr Ergebnis wie folgt aus.

SOHN-ZIMMER TOCHTER-ZIMMER
 saugt:   Sohn 20 min     Tochter 30 min       
+ +  
 putzt:   Sohn 30 min     Tochter 20 min        
= =  
50 min (Sohn)   +   50 min (Tochter)   =   
   100 min    

Nach der getanen Arbeit, als die beiden bitter über ihr hartes Schicksal klagten, fiel ihnen eine großartige Idee ein. Wenn der Sohn deutlich schneller beim Saugen und die Tochter beim Putzen ist, warum sollte eigentlich nicht jeder das tun, wo er besser als der andre ist. Ihre neue Rechnung sah in der Tat viel besser aus als vorhin:

SOHN-ZIMMER TOCHTER-ZIMMER
 saugt:   Sohn 20 min   +   Sohn 20 min   =     40 min (Sohn)
+  
 putzt:   Tochter 20 min   +   Tochter 20 min   =     40 min (Tochter) 
=  
        
  80 min   

Bei einer systematischen Untersuchung dieser Situation würde man sagen, dies sei die zweite der insgesamt 4 möglichen Strategien. Die dritte Strategie wäre, dass der Sohn das Zimmer seiner Schwester saugt und putzt und umgekehrt, die vierte, dass der Sohn putzt und die Tochter saugt. Diese zwei letzten Strategien würden aber nichts bringen.

Unser Beispiel schildert die Vorteile der Arbeitsteilung, die dem Menschen seit vielen Jahrtausenden bekannt sind. Aber eine Kooperation zwischen zwei Personen, wo die eine in einer und die andere in einer anderen Tätigkeit besser ist, ist nicht das, was Ricardo mit den komparativen Vorteilen meinte. Er wollte beweisen, dass die Kooperation bzw. die Arbeitsteilung sogar dann vom Vorteil für beide Seiten ist, wenn eine Seite bei allen Tätigkeiten schneller bzw. produktiver ist als die andere. Auch für diesen Fall lässt sich unser Beispiel schnell anpassen.

Wir nehmen einfach an, dass der Sohn beim Putzen immer schneller wird, so dass er seine Schwester einholt und dann auch überholt. Somit ist er in beiden Tätigkeiten produktiver als seine Schwester geworden. Wir analysieren nun die Arbeitsteilung im Bereich, wenn er seine Putzzeit von 20 allmählich auf 0 Minuten verringert. Wenn alles andere so bleibt wie davor, werden in diesem ganzen zeitlichen Bereich alle Voraussetzungen erfüllt sein, um die Richtigkeit der Theorie der komparativen Vorteile zu testen. Um es übersichtlicher zu machen, stellen wir die Voraussetzungen bzw. Annahmen unserer weiteren Analyse des strategischen Handelns tabellarisch dar:

 
Sohn
Tochter
  Saugen:     20 min (weiterhin unverändert)     30 min (weiterhin unverändert)  
  Putzen:   20 min ... 0 min   20 min (weiterhin unverändert)

Aus einem bestimmten Grund, auf den wir später noch zu sprechen kommen, wird unsere Analyse in zwei Schritten durchgeführt.

Schritt 1: Die benötigte Zeit für das Putzen liegt beim Sohn zwischen 20 und 10 Minuten. Der Mittelwert ist 15 Minuten - diesen nehmen wir als Beispiel. Rechnen wir jetz aus, wie dann die Gesamtzeiten liegen. Die Tabelle links zeigt das Ergebnis, wenn jeder sein eigenes Zimmer aufräumt, die Tabelle rechts wenn der Sohn beide Zimmer saugt und die Tochter beide putzt.

SOHN-ZIMMER TOCHTER-ZIMMER
 saugt:   Sohn 20 min     Tochter 30 min       
+ +  
 putzt:   Sohn 15 min     Tochter 20 min        
= =  
35 min (Sohn)   +   50 min (Tochter)   =   
    85 min   
     
SOHN-ZIMMER TOCHTER-ZIMMER
 saugt:   Sohn 20 min   +   Sohn 20 min   =     40 min (Sohn)
+  
 putzt:   Tochter 20 min   +   Tochter 20 min   =     40 min (Tochter) 
=  
        
  80 min   

Schritt 2: Der Sohn verbessert seine Zeit fürs Putzen immer weiter, von 10 min bis (rein theoretisch betrachtet) auf 0 Minuten. Nehmen wir als Beispiel 5 min und rechnen aus, wie jetzt die Gesamtzeiten liegen. Die Tabelle links zeigt das Ergebnis, wenn jeder sein eigenes Zimmer in Ordnung bringt, die Tabelle rechts wenn der Sohn beide Zimmer putzt und die Tochter beide saugt.

SOHN-ZIMMER TOCHTER-ZIMMER
 saugt:   Sohn 20 min     Tochter 30 min       
+ +  
 putzt:   Sohn 5 min     Tochter 20 min        
= =  
25 min (Sohn)   +   50 min (Tochter)   =   
    75 min   
     
SOHN-ZIMMER TOCHTER-ZIMMER
 saugt:   Tochter 30 min   +   Tochter 30 min   =     60 min (Tochter)
+  
 putzt:   Sohn 5 min   +   Sohn 5 min   =     10 min (Sohn) 
=  
        
  70 min   

Würden wir nicht so grob testen - nur bei 15 und 5 Minuten -, sondern für jede Minute zwischen 20 und 0 oder noch genauer, würden wir das nächste Diagramm bekommen. Die rote Linie zeigt die Gesamtzeiten ohne die Arbeitsteilung, wenn also jeder alles im Alleingang macht, die grüne Linie bei der Kooperation. Wir sehen, dass es immer zeitsparender ist, wenn man kooperiert. Der Abstand zwischen der (obigen) roten und der (unteren) grünen Kurve sind die aus der Arbeitsteilung erzielten komparativen Vorteile.

Hatte also Ricardo großartig Recht erhalten? Nach unserer Analyse scheint dem so zu sein - zumindest auf den ersten Blick. Wie auch immer das Produktivitätsgefälle zwischen zwei Handelnden sein mag, die Zusammenarbeit bzw. die Arbeitsteilung ist immer ein Spiel mit der positiven Summe. Haben somit auch die Globalisierungsbefürworter Recht?

Die Theorie der komparativen Vorteile: Mathematisch richtig, aber ökonomisch falsch!

Ricardo (1772-1823) war ein sehr scharfsinniger Analytiker. Dafür wurde er von vielen mit Recht bewundert, aber ein mathematischer Ökonom war er nicht. In seiner Zeit würde ihm dies keiner verübeln, weil damals - und noch mehrere Jahrzehnte danach - die Ökonomen sowieso nichts von der Mathematik gehalten haben. Trotzdem, Ricardo ist nie ein mathematischer, oder besser gesagt rechnerischer Fehler unterlaufen. Dies gilt auch für sein berühmtes Beispiel über die komparativen Vorteile. Aber schon von Anfang an haben einige richtig geahnt, wo das wahre Problem seiner Argumentation liegen kann. Auch bei den komparativen Vorteilen hat es sich Ricardo, wie man zu sagen pflegt, ein bisschen zu einfach gemacht. Er zieht nämlich weit reichende Schlussfolgerungen aus nur einer sehr kleinen Zahl von berücksichtigten Faktoren. Die Faszination der Ricardoschen Argumentation beruht also auf den benutzten analytischen Mitteln, die aber auf einem ziemlich dürftigen Material beruhen. Deshalb kann man die Theorie der komparativen Vorteile als Geburt einer neuen Tradition in der Wirtschaftswissenschaft betrachten, nämlich der Drang, mathematisch imposante Modelle zu entwerfen, die radikal vereinfachen und nur wenige oder gar keine Berührungspunkte mit der empirischen Welt haben.

Schumpeter verspottet diese schlechte Gewohnheit als „ricaradianisches Laster“. Gut gebrüllt Löwe! - möchte man sofort sagen. Kennt man aber Schumpeter etwas besser, muss man den Kopf schütteln und müde lächeln. Dieser prominente Neoliberale hebt nämlich die Theorie von Walras in den siebten Himmel, auch wenn diese mit so vielen „Lastern“ gespickt ist, dass sich Ricardo so etwas nicht in seinen wildesten Träumen vorstellen könnte. Na ja! So viel Zynismus muss sein - kann man sagen, wenn man den Charakter und Realitätssinn der Neoliberalen einmal richtig kennen gelernt hat. Man kann sich diese Schumpetersche Blauäugigkeit nur so erklären, dass er Ricardo nicht die Arbeitswertlehre verzeihen konnte, auf der sein berühmtester Schüler Marx seine ganze Theorie aufgebaut hatte. So ist Ricardo seltsamerweise der Stammvater der sich zwei aufs Messer bekämpfenden ökonomischen Schulen geworden: Aus seiner Arbeitswertlehre hat sich der Marxismus entwickelt, und aus seinen „analytischen Lastern“ die neoliberale Theorie.

In diesem Zusammenhang ist es angebracht noch zu erwähnen, dass der Grenzwert als mathematischer Begriff gerade von Ricardo in die ökonomische Analyse eingeführt worden war. Er hat diesen Begriff aber nicht auf den Nutzen angewandt, wie später Gossen (1854) bzw. Walras (1874), sondern auf die Erklärung der Bodenrente. Der Boden trennte in der Tat die neuen „Liberalen“ von Ricardo. In der Zeit, als die neoliberale Theorie entstanden ist, war schon längst das Kapital - auch dank Marx - im Mittelpunk des Interesses. Außerdem war nicht Ricardo das Vorbild der Neoliberalen, sondern ihre ganze Inspiration war die klassische Mechanik. Ihre neue analytisch „strenge“ und „exakte“ Theorie sollte „eine Mechanik des Nutzens und des Selbstinteresses“ sein (Jevons).

Kehren wir aber zu den komparativen Vorteilen zurück. Ricardo hat sich den internationalen Handel in der Tat viel einfacher vorgestellt, als er in Wahrheit wirklich ist. Es ist ihm einfach abhanden gekommen, dass es nicht die mathematischen (und die technologischen) „Gesetze“, sondern letzten Endes die Menschen sind, die etwas zum Funktionieren bringen oder auch nicht. Der Markt ist durch Strategien der handelnden Menschen bestimmt, weil die Menschen keine Mechanismen, sondern mit Vernunft ausgestattete Wesen sind. Damit soll nicht gesagt werden, dass sich die Menschen über die Mathematik stellen können, dies können sie ganz und gar nicht, sondern nur, dass sie sich aus der Mathematik das wählen, was ihnen mehr nutzt. Wie es konkret vor sich geht, wollen wir an dem bereits analysiertem Beispiel zeigen, das man als Geschwister-Dilemma bezeichnen kann. Dieses Beispiel hat uns schon alles zur Verfügung gestellt, was wir in „mathematischer“ Hinsicht benötigen werden. Es liefert bestimmte zahlenmäßige Ergebnisse, die wir auf bestimmte Situationen der Marktwirtschaft übertragen können. Wenn wir dann noch die individuellen Interessen der Handelnden in diesem Beispiel berücksichtigen, also die ihnen zur Verfügung stehenden Strategien, wird sich schnell herausstellen, dass die komparativen Vorteile nicht erzielt werden können, und zwar aus zwei wesentlichen Gründen:

1: Was fast ironisch klingt, gerade in einer laissez-faire Wirtschaftsordnung würden sich die komparativen Vorteile nicht realisieren lassen. Warum ironisch? Weil Ricardo zu denjenigen Nachfolgern von Smith gehört, welche seine „unsichtbare Hand“ nicht metaphorisch, sondern als etwas Reales, als irgendeine innere Eigenschaft der Marktwirtschaft verstanden haben. Somit hat Ricardo an Walras und Pareto den „fertigen“, rein ökonomischen Menschen vererbt, auch wenn die Bezeichnung homo oeconomicus selbst erst nach seinem Tod in Gebrauch kam. Der Mensch bzw. der Marktteilnehmer braucht bei Ricardo nichts anderes zu kennen und zu wissen und sich für nichts anderes zu interessieren, als nur seine eigenen Bedürfnisse bestmöglich zu befriedigen. Wenn er somit nur auf seine eigenen Vorteile bedacht ist, fördert er automatisch auch das Gemeinwohl.

Ricardo gehörte also zu der ersten Generation nach Smith, die zu glauben begann, dass das Maximieren des individuellen Nutzens immer und bedingungslos zur Maximierung des Gesamtnutzens führt. Diese ersten Marktradikalen ahnten jedoch nicht einmal, wie schwierig ein formaler Beweis dafür ist. Pareto hat ihn viel später geliefert, aber - wie bereits gezeigt - mit einem sehr dürftigen Erfolg. Kurz zusammengefasst: Ihm ist es gelungen nachzuweisen, dass auf dem Markt ohne Produktion die Verfolgung der eigenen Interessen zugleich zum Gemeinwohl beiträgt oder ihm zumindest nicht schadet (Win-Win-Spiel). Wenn aber auch die Produktion in dieses Modell eingefügt wird, wie es bei jeder „normalen“ Wirtschaft der Fall ist, gilt der Paretosche Beweis nicht mehr, bzw. er gilt nur bei völlig realitätsfremden, ja völlig irrsinnigen produktions-technischen Annahmen. Das haben wir bei der Erörterung der Substitutions- bzw. der Reswitchingproblematik gezeigt. mehr

Die Theorie der komparativen Vorteile von Ricardo benötigt aber keine irrsinnigen Annahmen. Solche werden bei ihr weder Mathematiker noch Ingenieure und Technologen herausfinden können. Dies kann man nicht genug betonen, denn es ist ein großer Unterschied, ob eine Theorie schon an objektiven (technischen) Gegebenheiten und Voraussetzungen oder erst am Menschen (Interessen) scheitert. Genau dieser Unterschied lässt sich an unserem obigen Beispiel gut erklären, so dass es uns ermöglicht, das endgültige Urteil über die Theorie der komparativen Vorteile zu fällen.

Unsere Analyse des strategischen Spiels mit den zwei Geschwistern, die ihre Zimmer aufräumen, ist - wie bereits erwähnt - mit Bedacht in zwei Stufen aufgeteilt. Bei den Putzzeiten (der Produktivität) des Sohnes zwischen 20 und 10 min war der Sohn derjenige, der sich auf das Saugen spezialisiert hat, obwohl er nicht beim Saugen, sondern beim Putzen besser war; erst im Bereich zwischen 10 und 0 Minuten hat er das Saugen der beiden Zimmer übernommen. Hätte man die Arbeitsteilung anders gestaltet, würde es keine komparativen Vorteile geben. Die Regel, die dahinter steckt, lässt sich wie folgt formulieren:

Die potentiellen komparativen Kostenersparnisse realisieren sich nur dann, wenn sich bei der Arbeitsteilung der produktivere Teilnehmer auf das spezialisiert, wo sein Produktivitätsvorsprung am größten ist.

Genau diese Regel haben wir also berücksichtigt, als wir die Analyse zweigeteilt haben: Zuerst war nämlich der Sohn deutlich produktiver als seine Schwester beim Saugen, so hat er gesaugt, dann war er deutlich produktiver beim Putzen, so hat er das Putzen übernommen. Dass diese Regel dem scharfen analytischen Geist von Ricardo nicht entgangen ist, kann man nur bewundern, etwas anderes aber desto weniger.

Die Geschwister konnten sich nämlich zusammensetzen, alles in aller Ruhe durchgehen und durchrechnen und sich schließlich für die beste Kombination der „Produktionstechniken“ entscheiden. Dies sagt uns, dass bei der Arbeitsteilung, welche die komparativen Vorteile bringen kann, unbedingt nötig ist, dass jeder seine Daten preisgibt. Unser Beispiel gehört also in eine Welt der „vollständigen Informationen“, wie man sich später (R. H. Coase) in der Theorie von „Transaktionskosten“ (transaction cost theory) ausdrücken würde. Gehört aber der reale Markt in eine solche Welt der „vollständigen Informationen“? Bestimmt nicht. Auf dem Markt treffen sich nicht Teilnehmer, die ihre privaten Daten einfach so, jedem und allen, ausplaudern. Aber auch wenn sie dies getan hätten, müsste man noch einiges erledigen. Man müsste im nächsten Schritt eine gewaltige Menge von Daten mathematisch verarbeiten, was eine sehr komplizierte mathematische Aufgabe wäre. Dafür würde man bestimmt eine Behörde brauchen, und zwar nicht eine nationale, sondern eine internationale. Sie würde eine viel größere Datenmenge bearbeiten müssen, als es in den kommunistischen Planwirtschaften je der Fall gewesen ist. Da würde man mit Erstaunen sagen: Was für eine seltsame Vorstellung für die „unsichtbare Hand“! Aber gut. Schenken wir diesen Bürokraten unser volles Vertrauen, um mit unserer Analyse überhaupt weiter zu kommen. Nehmen wir also an, alle Kenntnisse darüber, was wer in der internationalen Arbeitsteilung tun soll, sind vorhanden. Bevor man diese Kenntnisse anwendet, muss aber noch etwas unbedingt erledigt werden. Man müsste noch ein Problem lösen, das zwar wirklich das letzte sein wird, aber womöglich noch schwieriger ist als alles andere davor.

2: Um dieses Problem zu erörtern, haben wir zwei Diagramme angefertigt, die aus den bereits verfügbaren Daten des obigen Beispiels bestehen. Im linken Diagramm ist der Zeitaufwand der Tochter dargestellt: Die rote Linie beim Alleingang, wenn sie also ihr Zimmer alleine saugt und putzt, die grüne Linie wenn sie mit dem Bruder kooperiert. Aus dem Diagramm lässt sich unmittelbar entnehmen, dass die Tochter zuerst Zeit sparen würde wenn sie kooperiert, dann aber wenn sie es nicht tut. Bei ihrem Bruder, wie es das rechte Diagramm zeigt, ist es genau umgekehrt.

Der Gesamtnutzen steht also ständig im Gegensatz zum individuellen Nutzen eines Teilnehmers. Alles was wir aus dem Paretoschen Optimum gelernt haben, war also für die Katz. Schade! Wie erinnern uns, wie märchenhaft einfach die Welt der Individualisten und Egoisten in unserem Beispiel mit dem Gefangenenlager wunderbar funktioniert hat. mehr Im jetzigen Beispiel, das auch nicht besonders kompliziert ist, gilt dies nun nicht mehr. Man kann sich aber in diesem Beispiel gut vorstellen, dass die Geschwister schnell eine richtige Lösung finden würden. Zuerst könnte die Schwester zum Ausgleich ihrem Bruder einmal pro Woche die Schuhe putzen, später umgekehrt. Wie sollte man aber so einen Ausgleich in einer freien internationalen Wirtschaft realisieren? Um diese Frage zu beantworten, soll zuerst unser (sehr) einfaches Beispiel ein bisschen vervollständigt werden.

Wenn wir uns den Sohn und die Tochter als zwei handeltreibende Länder vorstellen, können wir es nicht so lassen, dass das Saugen und das Putzen ein und dieselbe Firma in jedem Land erledigt, sondern es müssen je zwei völlig unabhängige Firmen sein. Schon diese kleine Veränderung verkompliziert das Problem der komparativen Vorteile erheblich. Wenn die nationalen Firmen - anders als beim Sohn und bei der Tochter - nicht in eine gemeinsame (nationale) Kasse wirtschaften, ist es nicht mehr möglich, dass eine Volkswirtschaft, etwa auf dem Niveau der Wirtschaftsministerien, mit einer anderen über die Umverteilung der komparativen Gewinne verhandelt. Es müssen sich Vertreter aller - in unserem Fall sind es vier - Firmen treffen und sich irgendwie einigen. Dann würde man feststellen, dass man die Firmen mit der niedrigsten Produktivität in den beiden Wirtschaften entweder schließen oder subventionieren müsste. Wird man sich dann einigen können? Kaum vorstellbar.

Deshalb wird der uneingeschränkte internationale Handel nur ein einziges Ergebnis bringen: Die Firmen aus dem produktiveren Land werden weniger produktive Firmen in dem rückständigen Land plattwalzen. Unser strategisches Spiel Geschwisterdilemma, auch wenn es so einfach ist, kann also erklären, warum fast alle Entwicklungsländer - vor allem südamerikanische und afrikanische - entweder absolut verarmen oder den entwickelten Ländern immer mehr hinterher hinken. Nur dort, wo die unterentwickelten Länder wirklich produktiver waren, konnten sie ihre wirtschaftlichen Zweige behalten, und das waren fast ohne Ausnahme diejenigen Zweige, die sich auf die natürlichen Ressourcen des Landes stützen konnten. Ja, aber nur wenn es den entwickelten Länder nicht schon vorher gelungen ist, sich diese Ressourcen mit raffinierten juristischen Tricks und korrupten Regierungen dieser Länder unter den Nagel zu reißen. Und dies war bisher immer eher die Regel als die Ausnahme. Sobald diese Ressourcen erschöpft waren, wurde das Land zu einer Ansammlung von verlassenen Minen, Bohrlöchern, Anbauflächen und Niederlassungen.

Die „moderne“ Globalisierung ist nur ein anderer Namen für den Freihandel. Die Prinzipien sind die gleichen geblieben, nur die Schwerpunkte haben sich ein bisschen verschoben. Früher hat man hauptsächlich die Fertiggüter exportieret, und wenn es Investitionen waren, dann vornehmlich zum Zweck, die Rohstoffe der Kolonien für das Mutterland zu fördern. Heute wird die Produktion auch wegen einer anderen Ressource ausgelagert, der Arbeitskraft. Wie bereits gesagt, die Globalisierung ist eine erstaunlich erfolgreiche Strategie, die Löhne in den westlichen Ländern herunterzudrücken. Die Globalisierung ist also vor allem eine böswillige Strategie der Wirtschafts- und Machteliten der westlichen Länder gegen die eigene Bevölkerung bzw. die Arbeiterschaft, aber für die Entwicklungsländer (die „moderne“ Bezeichnung für die Kolonien) ändert sich dadurch wenig. Der Dissident und Expräsident der tschechischen Republik Václav Havel hat diese Entwicklung auf dem „Forum für junge Eliten“ in Prag (2006) durch eine Bemerkung zum Ausdruck gebracht, die in ihrer Deutlichkeit und Schlüssigkeit kaum zu überbieten ist:

„Unsere Städte sind umzingelt von Gewerbegebieten, die wir den Ausländern wie eine Prostituierte anbieten. Wenn der Investor dann nach fünf Jahren wegen niedrigerer Löhne nach Pakistan zieht, ist kein Feld mehr übrig, keine Wiese, kein Wald, kein Dorf, keine Stadt. Als Erbe unserer Kurzsichtigkeit bleibt dort nur ein postmodernes Nichts.“

Haben die meisten ehemaligen kommunistischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen, eigene technische Kader zu bilden und eigene Technologien zu entwickeln, wurde dies alles in wenigen Jahren zunichte gemacht, so dass diese Länder technologisch um Jahrzehnte zurück geworfen sind. Abgesehen einmal von den neuen politischen Klassen, die sich bei dem international wandernden Kapital prostituieren und den technologischen Niedergang des eigenen Landes als neue Freiheit und als die Annäherung an den demokratischen Westen hochleben lassen, stellen die einfachen Menschen etwas völlig anderes fest, dass nämlich ihre Länder immer mehr den südamerikanischen ähneln. Nur Russland, dank Putin - wie eine überwältigende Mehrheit der Russen meint -, wird sich dieser Südamerikanisierung entziehen können. Und die neue Demokratie? Man hat mittlerweile nur hämische Bemerkungen für sie übrig.

An dieser Stelle wäre es fast grob fahrlässig, die westlichen sog. neuen Linken nicht zu erwähnen, nämlich die „modernen“ Grünen und Sozialdemokraten. Sie denken selbstverständlich global, und darauf sind sie mächtig stolz. Nach der Taufe durch den ehemaligen ideologischen Gegner strotzen sie nur so von wirtschaftlicher Kompetenz. Unter anderem haben sie auch begriffen, warum die Globalisierung für alle gut ist, weil sie nämlich für komparative Vorteile sorgt. Natürlich, man muss erklären können, warum die Segnungen der Globalisierung in den Entwicklungsländern kaum zu spüren sind, aber diese Erklärung haben die „modernen“ Grünen und Sozialdemokraten auch schon längst in petto: An allem sei angeblich die Subventionierung der Bauern in den westlichen Ländern schuld. Durch sie wird der Import der landwirtschaftlichen Produkte aus den Entwicklungsländern verhindert.

Diese Erklärung hat wirklich etwas für sich. Denken wir darüber nach. Gäbe es diese protektionistisch wirkenden Maßnahmen für die westlichen Bauern nicht, dann würden wir die Nahrung für uns aus den Hungerregionen der Erde importieren. Die Konkurrenz würde dann die Nahrung für uns verbilligen und man könnte dann die Sozialausgaben noch weiter reduzieren und die Steuer der Reichen senken - also eine neue, noch „modernere“ Agenda 2010 durchsetzen. Sollte aber den Hungernden aus den Entwicklungsländern wirklich helfen, wenn unsere Harz IV-Empfänger die Nahrung von ihren Feldern verzehren? Oder ist es etwa so, dass wir „ewig gestrigen“ wieder einmal etwas nicht begriffen haben bzw. nicht im Stande sind, die tieferen ökonomischen Zusammenhänge zu begreifen?

Sagen wir es einfach so: Eine rein theoretische Frage ist dies nicht mehr. Dank der Hartnäckigkeit vieler grünen und linken Gutmenschen und ihrer Bewegungen, hat man schon manche Maßnahme zur Realisierung des globalen Handels mit landwirtschaftlichen Produkten durchsetzen können. Nun hat sich aber herausgestellt, dass diese Maßnahmen, nicht - „noch nicht“ - zu den erhofften glücklichen Zuständen führen. So liest man gerade in einer Zeitschrift:

DAS GLOBALE HUHN: Seit westafrikanische Länder aufgrund ihres Beitritts zur WTO die Zölle für Geflügelimporte senken mussten, überrollt eine Importflut von tiefgefrorenen Hühnerteilen aus der EU die Märkte. Das industrielle Hühnerklein kostet in Kamerun ein Drittel weniger als das Lebendhuhn lokaler Geflügelzüchterinnen. Kleine Existenzen, in der Mehrzahl Bäuerinnen, werden an den Rand gedrängt. Die Dumpingpreise ruinieren die lokale Wertschöpfungskette, die von der Kükenaufzucht und der Futterproduktion bis zu den Märkten, wo die Hühner aus hygienischen Gründen erst am Verkaufstag geschlachtet werden, überwiegend in Frauenhänden war.“ ... >

Aber was sagt dies bitte schon! Die Medizin sei in Ordnung, nur die Dosis stimme nicht! Man müsse also die Dosis erhöhen.

Zusammenfassung: Der angeblich wohlwollende Egoismus war nur ein akademischer Betrug

Das Scheitern der Globalisierung ist ein monumentales Beispiel dafür, dass der Egoismus keine mystische Eigenschaft besitzt, Gutes zu tun. Das Denken in Strategien, das wir von der Spieltheorie gelernt haben, lässt uns begreifen, dass dem wirklich so ist. Es gibt keinen „analytisch strengen“ Beweis zugunsten des Egoismus. Die einfache neoliberale Welt, in der jeder das Beste tut wenn er Egoist ist, war von Anfang an ein raffinierter, sozusagen ein par excellence Betrug der herrschenden Klassen der westlichen industriellen Gesellschaften. Es gibt nur zwei Arten von Menschen, die den Egoismus huldigen können: Die mental beschränkten und diejenigen, die mit dem Glauben an den Egoismus ihr schlechtes Gewissen vor dem retten wollen, was sie mit ihren bösen Taten angerichtet haben.

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