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    Ein Gastartikel
       
 
Selbst wenn man die unberechtigt optimistische Annahme macht, dass die Übervölkerung der Erde nicht in dem heute drohenden Maße weiter zunähme, muss man den wirtschaftlichen Wettlauf der Menschheit mit sich selbst für allein hinreichend betrachten, um sie völlig zugrunde zu richten.
 
    Konrad Lorenzein österreichischer Zoologe, der Hauptvertreter der vergleichenden Verhaltensforschung    
 
Ich sympathisiere darum mit denen, die die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Nationen nicht maximieren, sondern möglichst gering halten wollen. Ideen, Wissen, Kunst, Gastfreundschaft, Reisen -solche Dinge sollten ihrem Wesen nach international sein. Was aber die Waren betrifft, so lasst sie, wann immer es vernünftig und praktisch ist, hausgemacht bleiben; vor allem gilt dies für die Finanzen.
 
    John M. Keynes,  der bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts    
       

In diesem und den folgenden Beiträgen werden wir uns mit der Rolle Deutschlands in der gegenwärtigen Krise und auf dem Weg dorthin auseinandersetzen. Es ist ein sehr aktuelles Thema, weil Deutschland  bei den meisten europäischen Ländern als Hauptverantwortlicher für die Krise gilt. Das Bild vom „hässlichen Deutschen“ ist wieder gebräuchlich geworden.  Wir wären gut beraten nicht so überheblich zu sein, es einfach zu ignorieren, wenn sich unsere europäischen Nachbarn über uns beschweren und uns mehr als deutlich sagen, dass sie sich ein solches Deutschland in der EU weder vorgestellt haben noch wünschen. Dabei geht es geht um etwas,  worauf wir besonders stolz sind, nämlich unseren Status als weltweit führende Exportnation. Um diese Problematik darstellen zu können, ist es angebracht zunächst etwas darüber zu sagen, wie internationaler Handel funktioniert.

Internationaler Handel und Dumpingstrategien als sein Missbrauch

Wenn über den Handel zwischen verschiedenen Ländern gesprochen wird, sind die Unterschiede im Lohnniveau oft ein heiß diskutiertes Thema. Es stellt sich nämlich die Frage, wie kann ein Land, in dem die Löhne relativ hoch sind mit einem Land konkurrieren, in dem sie viel niedriger liegen? Oft wird behauptet, das ginge nicht und deswegen müssten die hohen Löhne sinken, weil sonst das Niedriglohnland als günstigerer Produktionsstandort die ganze Produktion auf sich vereinigt. Der Blick auf die Löhne allein enthüllt aber nur die halbe Wahrheit. Will man das Lohnniveau zweier Länder vergleichen, muss man auch die Produktivität der jeweiligen Wirtschaft berücksichtigen. Wie das funktioniert, ist einfach zu erklären. Stellen wir uns zwei Arbeiter vor, die mit Hilfe einer Maschine ein bestimmtes Produkt herstellen. Ihre Löhne sind gleich hoch und sie arbeiten gleich viel, mit anderen Worten: Sie haben den gleichen Stundenlohn. Doch der eine kann mit seiner Maschine eine größere Stückzahl des Produkts herstellen als der andere. Daraus folgt, dass der erste Arbeiter für den gleichen Lohn mehr herstellen kann als der zweite. Weil dadurch der Anteil des Lohnes an den Kosten für die Herstellung pro Stück sinkt, spricht man von Lohnstückkosten. Diese Größe ist relevant für einen aussagekräftigen Vergleich zwischen der wirtschaftlichen Leistungskraft zweier Länder. Je niedriger die Lohnstückkosten im Vergleich zu anderen Ländern sind, desto konkurrenzstärker ist ein Produktionsstandort.

An dieser Stelle müssen wir darauf hinweisen, dass die Auffassung, nur durch niedrige Löhne könne eine Volkswirtschaft auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig sein, sehr alt ist. Ein Vertreter dieser Auffassung war etwa James Steuart (1712-1780) ein später Merkantilist. Sein Denkfehler bestand darin, dass er hohe Arbeitslöhne mit hohen Stückkosten verwechselte. Das mag man einem Ökonomen dieser Zeit vielleicht noch nachsehen, obwohl nicht unerwähnt bleiben darf, dass bereits damals vereinzelt die Meinung vertreten wurde, man müsse Lohnniveau und Stückkosten unterscheiden. Adam Smith konnte das schon, aber nicht nur das. Seinem scharfen Blick konnte nicht entgehen, dass der Arbeitslohn in den Ländern am höchsten war, die sich am schnellsten entwickelten oder am raschesten reich wurden. Und wenn es um zu hohe Preise ging, er war sich darüber im Klaren, wer meistens daran schuld ist:

„Tatsächlich führen hohe Gewinne weit eher zu einem Preisanstieg als hohe Löhne.
Unsere Kaufleute und Unternehmer klagen zwar über die schlimmen Folgen höherer Löhne, da sie zu einer Preissteigerung führen, wodurch ihr Absatz im In- und Ausland zurückgehe, doch verlieren sie kein Wort über die schädlichen Auswirkungen ihrer hohen Gewinne. Sie schweigen einfach über die verwerflichen Folgen der eigenen Vorteile und klagen immer nur über die anderen Leute.
Unsere Kaufleute klagen oft die hohen Löhne der britischen Arbeit als Ursache an, weshalb ihre Fabrikate auf fremden Märkten unterboten würden; von den hohe Kapitalgewinnen schwiegen sie. Sie klagen über den übermäßigen Gewinn anderer Leute, aber von ihrem eigenen sagen sie nichts. Und doch mögen die hohen Gewinne des britischen Kapitals in vielen Fällen ebensoviel und in einigen noch mehr dazu beitragen, den Preis der britischen Fabrikate zu erhöhen, als der hohe Lohn der britischen Arbeit.“ ... >

Wenn es um die Steigerung ihrer Gewinne geht, sind Unternehmer bekanntlich sowohl erfindungsreich als auch skrupellos. Global agierende Unternehmen sind stets bestrebt, ihre Produktionskosten durch niedrige Lohnstückkosten zu reduzieren. Dazu kombinieren sie die niedrigen Löhne in den wenig industrialisierten Ländern mit moderner, hoch produktiver Technologie, die schon alleine für niedrige Lohnstückkosten sorgt. Natürlich geben sie das niemals zu. Wenn jemand diese Praxis beim Namen nennt und fordert, Waren aus Dumpingproduktion mit Zollaufschlägen zu versehen, wird die betreffende Person als Menschenfeind hingestellt, der den armen Leuten in fernen Ländern die Möglichkeit nehmen will, für sich und ihre Familien Geld zu verdienen. Unter welchen Bedingungen sie das tun, wird ebenfalls verschwiegen, beschönigt oder die Verantwortung dafür abgestritten.

Die Wechselkurse als Schutz des Schwächeren vor dem Stärkeren

Kann sich ein weniger produktives Land überhaupt vor der übermächtigen und zerstörerischen Konkurrenz eines produktiveren schützen? Es kann und es ist auch schon längst bekannt wie: mit Wechselkursen. Wechselkurse sind eigentlich dazu da, den Produktivitätsunterschied zwischen den Volkswirtschaften zu kompensieren und damit das weniger produktive Land vor Konkurrenz zu schützen, der es nicht gewachsen ist. Um das zu erklären, müssen wir etwas weiter ausholen.

Damit ein Land exportieren kann, muss ein anderes logischerweise importieren. Der Austausch von Waren, Dienstleistungen usw. wird in der so genannten Leistungsbilanz zusammengefasst. Wenn durch den Handel über Ländergrenzen hinweg insgesamt mehr exportiert als importiert wird, entsteht ein Überschuss in der Leistungsbilanz eines Landes, wird in Summe mehr importiert, entsteht ein Defizit. Besteht ein Ungleichgewicht in der Leistungsbilanz über längere Zeit fort, ist diese Situation vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner, wenn klar ist, dass der Schuldner die Schulden sein Lebtag nicht wird begleichen können. Entsprechend werden die Forderungen an ein Land entwertet, wenn dieses in die Enge konkurriert wurde und ihm nichts Anderes übrig bleibt, als seine Währung abzuwerten. Damit hat das schwächere Land vorerst seine Konkurrenzfähigkeit zurückgewonnen und kann daran gehen, seine inländische Produktion auf die Beine zu bringen. Spiegelbildlich dazu gehen dem stärkeren Land neben den angesammelten Forderungen auch Exportmärkte verloren.

Den deutschen Exportfetischisten ist ein solcher Mechanismus natürlich ein Dorn im Auge. Mit der Einführung des Euro haben sie einen Weg gefunden, diesen außer Kraft zu setzen. Das werden wir in einem späteren Beitrag ausführlich erläutern. Da die wirtschaftliche Unvernunft der Strategie, im Handel mit dem Ausland riesige Überschüsse anzuhäufen bereits jetzt durchschimmert, sollten wir unsere Aufmerksamkeit nun auf die Frage nach der Herkunft und dem Sinn der Idee des Merkantilismus richten.

Der Merkantilismus als Gewinn weniger zulasten der Mehrheit

Die Verteidigung des Standorts steht in Deutschland schon längst ganz oben auf der Beliebtheitsskala der populären ökonomischen Auffassungen. Es gibt demzufolge keine heiligere und patriotischere Pflicht als den Weltmeistertitel Deutschlands als Exportland zu verteidigen und die Führung auszubauen. Damit sind hauptsächlich die steigenden Exportüberschüsse gemeint. Unsere Frage heißt: Wozu sollte es überhaupt gut sein, immer größere Exportüberschüsse zu erwirtschaften und Weltmeister im Export zu sein?

Die ökonomische Strategie der Exportüberschüsse ist sehr alt. Sie beruht auf einer einflussreichen ökonomischen Lehre des späten Mittelalters, Merkantilismus genannt, die das kaufmännische Bilanzdenken in einer politisch-zwischenstaatlichen Perspektive reflektierte. Eine der wichtigsten Prämissen des Merkantilismus ist die, dass die Geldmenge in der Welt im Wesentlichen konstant sei (Jean Baptiste Colbert, 1619-1683). Wenn man bedenkt, dass damals zur Geldmenge fast ausschließlich Münzen zählten - Goldmünzen hauptsächlich als Schatzgeld, Silbermünzen als Kurantgeld und Kupfermünzen als Scheidemünzen -, lässt sich diese Auffassung durchaus verstehen. Wenn sie einfach auf die ganze Wirtschaft übertragen wird, ergibt sich, dass ein Land seinen Anteil an der Geld- und Silbermenge nur auf Kosten anderer Länder vergrößern kann. Im Sinne des alten Sprichwortes: One man’s gain is the other man’s loss, folgert dann auch Johann J. Becher (1635-1682), der bedeutendste Vertreter des deutschen Merkantilismus („Kameralismus“), dass „es allezeit besser sei, Waren anderen zu verkaufen als Waren von anderen zu kaufen, denn jenes bringe einem gewissen Nutzen und dieses offenbar Schaden“. Anders gesagt stockt eine positive Handelsbilanz die Gold- und Silberreserven auf, das Einkaufen schmälert sie. Damit ist der Beweis erbracht. Warum man damals gemeint hat, es sei von Vorteil, soviel Gold und Silber wie möglich zu besitzen, brauchte Becher nicht zu erklären. Er konnte sich darauf verlassen, dass es jedem Menschen klar war,  Edelmetalle hätten an und für sich großen und ewigen Wert.

Die Merkantilisten haben zu ihrer Zeit die mystische Beziehung des Menschen zu Edelmetallen rationalisiert und auf die Beziehungen zwischen den Volkswirtschaften übertragen. Ob dies erlaubt ist, brauchen wir jetzt nicht näher zu erörtern. Auch müssen wir jetzt nicht prüfen, ob Edelmetalle wirklich ein so zuverlässiges Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel darstellen, wie man früher zu wissen glaubte. Gelingt es uns nämlich zu zeigen, dass für Geld in Form von Banknoten dasselbe gilt wie für Münzen aus Edelmetallen, so ist es überflüssig darüber nachzudenken, ob die Merkantilisten auf dem Weg zur Schlussfolgerung „es sei allezeit besser, anderen Waren zu verkaufen“, irgendwo einen Denkfehler begangen haben. Wir wollen jetzt also herausfinden, ob es wirklich von Vorteil ist, große Exportüberschüsse zu erwirtschaften, um sie dann als Geld zu horten, auch wenn dieses Geld nicht aus Goldreserven, sondern aus Banknoten besteht. Da kommt uns die schon länger andauernde Diskussion in Amerika gelegen, die sich damit abmüht herauszufinden, ob die amerikanischen Auslandsschulden schädlich für das Land sind oder eben nicht. Sie dreht sich um das gleiche Thema: Exportüberschüsse, aber mit negativem Vorzeichen.

Die Amerikaner denken ja bekanntlich nicht über Exportüberschüsse nach, sondern sie müssen sich über ihre Auslandsschulden Sorgen machen. Aber müssen sie das wirklich? Einer, der sich deswegen keine grauen Haare wachsen ließ, ist der berühmte amerikanische Geldexperte Friedman. Um den Amerikanern die Angst vor dem freien Handel zu nehmen, hat Friedman folgende Überlegung angestellt. 

„Angenommen, Japan wäre unglaublich erfolgreich in seinen Versuchen, seine Exporte in die USA zu pressen und es würde den Japanern gelingen, uns große Mengen verschiedener Waren zu verkaufen. Was würden die Japaner mit den Dollars tun, die sie aus ihren Exporten erhalten? Frische Banknoten zurück mit nach Tokio zu nehmen und sie in den Tresoren der Bank von Japan aufzustapeln? Oder lassen sie sich in den Depots der US-Banken Dollars anhäufen? Schön für uns! Können Sie sich einen besseren Handel ausdenken als schöne Textilien, chromblitzende Autos und ausgefallene Fernsehsets für eine Handvoll grün bedruckten Papiers zu erhalten? Oder für einige Eintragungen in den Bankbüchern? Wenn die Japaner doch nur willens wären, dies weiter zu tun, könnten wir dafür sorgen, daß sie all die schönen Banknoten, die sie haben wollen, auch bekommen.“ ... >

Nein, es ist unvorstellbar, dass die Japaner so naiv sein könnten, dies zu tun, folgert Friedman. Sie würden mit den Dollars umgehend und ohne Zeitverzug amerikanische Waren kaufen, will er damit sagen. „Alle möglichen Dinge für grüne Papierchen, die wir im Überfluss und billig produzieren können, zu bekommen“ kann es also nicht geben: „Es gibt nichts umsonst. Heute wissen wir, dass Friedman sich schwer getäuscht hat. Offensichtlich begehren die Japaner die grünen Papierchen mehr als alles andere in der Welt, weshalb die Amerikaner sich kaum dagegen wehren können, von ihnen beschenkt zu werden. Auf Dauer aber, so die mahnenden Stimmen derjenigen, die als Hüter der Zukunft verstanden werden wollen, wird es so nicht gehen: das dicke Ende kommt erst noch. Versuchen wir nun anhand einer einfachen Überlegung herauszufinden, auf wessen Seite die Wahrheit steht.

Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass ein Dollarschein, welchen auch immer man in die Hand nehmen würde, zu jeder Zeit in eine bestimmte Menge Gold konvertierbar ist - man kann eine bestimmte Menge Gold für ihn kaufen. Genauso gut wissen wir aus der tagtäglichen Erfahrung, dass jeder Dollar gegen eine entsprechende Menge beliebiger Ware austauschbar ist. Und was für jeden einzelnen Dollar gilt, gilt auch für alle Dollars zusammengenommen, würde ein unvorsichtiger Geist gern folgern. Dem ist aber - wieder einmal - nicht so. Stellen wir uns vor, jemand habe alle Dollars aus dem europäischen Raum gesammelt, um sie auf einen Schlag in Gold zu verwandeln. Aus dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgern wir, dass dann der Goldpreis in astronomische Höhe steigen würde. Der Verkauf von Dollarreserven würde sich also überhaupt nicht lohnen. Nehmen wir deshalb an, dass, wenn es schon nicht sinnvoll ist, die Dollars in Gold zu konvertieren, es sinnvoller wäre die Dollars in Güter umzutauschen. Räumen wir sogar ein, dass dadurch die Güterpreise nicht steigen würden, denn Güter sind in viel größeren Mengen vorhanden bzw. produzierbar als Gold. Diese beträchtlich gestiegene Nachfrage nach Gütern wäre nun für produzierende amerikanische Unternehmen ein Gottesgeschenk, europäische Unternehmen würden dagegen durch den entsprechenden Rückgang ihrer Nachfrage über Nacht gemäß dem Dominoeffekt zusammenbrechen. Oder werden wir unsere (amerikanischen) grünen Papierchen etwa in der Weise retten können, indem wir an der Wall Street Aktien von amerikanischen Firmen kaufen? Die Amerikaner könnten sich in der Tat kein leichteres Spiel wünschen. Sie bekämen damit die Möglichkeit, wenn ihnen je der Ärger hochkäme, die spekulative Blase platzen zu lassen und die europäischen Exportüberschüsse wegzublasen, als ob es sie nie gegeben hätte. Man kann es also drehen und wenden wie man will: Die Welt wird für ihre Dollars, die sie mühsam erwirtschaftet, indem sie ungeheure Mengen von Waren nach Amerika verfrachtet, von den Amerikanern nur einen lächerlichen Bruchteil als Gegenwert zurückbekommen.

Wir sollten aber nicht unerwähnt lassen, dass Amerika dem Rest der Welt deswegen eine lange Nase drehen kann, weil es ein militärisch starkes Land ist. Keiner legt sich leichtfertig mit der Weltmacht USA an. Die meisten anderen Länder hatten und haben einen solchen Bonus nicht. Schon viele Male in der Geschichte ereignete es sich, dass der wirtschaftlich Starke sein Militär einsetzte, um sich den Gegenwert seiner Überschüsse zurückzuholen. Heute ist das Einmarschieren jedoch aus der Mode gekommen. Deswegen nutzt man andere Wege, unterlegene Länder auszubeuten, die aber genauso gut ihren Zweck erfüllen. Wir besprechen das in einem der nächsten Beiträge dieses Abschnitts.

Das bringt uns unmittelbar zu der Frage, wie der Merkantilismus überhaupt bis heute überleben konnte, wo er doch sowohl rein wirtschaftlich unvernünftig ist als auch Kriege auslösen kann. Wer kann so etwas wollen? Doch vielleicht sollten wir auch fragen: Wem kann das egal sein? Wenn etwas für die Wirtschaft als Ganzes schädlich ist, heißt das ja noch lange nicht, dass es nicht auch Profiteure geben kann, die von den negativen Folgen, die sich letztendlich einstellen, nicht betroffen sind. Solche gibt es in der Tat und es hat sie immer gegeben. Es sind die Wirtschaftskapitäne und die mit ihnen verbundenen großen Finanzmarktakteure. Sie haben während der Zeit, in der die Leistungsbilanzen ins Ungleichgewicht geraten, reichlich Gelegenheit, sich kräftig zu bereichern. Bricht dann tatsächlich eine Krise aus, haben sie schon viel verdient und beiseite geschafft. Die Beziehungen zwischen den Nationen können ihnen herzlich egal sein, denn mit ihrem Reichtum sind sie jederzeit unabhängig von deren Schicksal. Oft profitieren sie sogar noch von der Krise, die sie selbst ausgelöst haben. Denken wir dabei an das aktuelle Beispiel der Banken. Sie haben vor der großen Krise bereits prächtig verdient, und inmitten derselben geht es munter weiter.

Was wir hier über den deutschen Merkantilismus sagen, sind starke Behauptungen. Wir werden sie in den kommenden Beiträgen mit Tatsachen belegen. Im nächsten werden wir uns ansehen, wie lange Deutschland schon eine Nation ist, die ihren Erfolg über den Export definiert und damit immer wieder neue Legenden von der angeblichen Überlegenheit der Deutschen gegenüber anderen Völkern gestrickt werden.

 
 
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